Evangelische Kirchengemeinde Steinheim am Albuch - steinheim-evangelisch.de

Evangelischer Kirchenchor

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Evangelischer Posaunenchor

Musik im Gottesdienst – grundsätzliche Anmerkungen

(nach Michael Reißer)

Pfr. A.Neumeister

  1. Definition: Musik ist die organisierte Form von Schallereignissen. Ihr akustisches Material wird sinnvoll geordnet. Wesentliche Elemente sind Melodie, Rhythmus, Harmonie, Ein- oder Mehrstimmigkeit.

  2. Musik gehört von Anfang an zum Menschsein (älteste Musikinstrumente vom Geißenklösterle, ca. 35.000 Jahre alt; vgl. 1.Mo. 4, 21!)

  3. Eine zentrale Bibelstelle für die Musik im Gottesdienst ist 2.Chr. 5, 11-14 (Einweihung des Tempels ). Genau an diese Stelle schreibt J. S. Bach in seine Bibel eine persönliche Bemerkung: „Bei einer andächtigen Musique ist alle Zeit Gott mit seiner Gnadengegenwart“. D.h.: Wo andächtig (also mit geistlicher Intention) musiziert / gesungen wird, da wird die Gegenwart Gottes nicht mühevoll herbeigerufen oder herbeigeführt. Da stellt sich Gott von sich aus mit seiner Gnadengegenwart ein!

  4. Musik und vor allem Gesang sind eine wesentliche Äußerung des christlichen Glaubens. Die Grunderfahrung des Alten wie des Neuen Testaments, dass Gott gnädig und treu ist, kommt dankend, preisend und jubelnd zum Ausdruck. Die Kirche ist darum „singendes und musizierendes Gottesvolk“. Aber auch das Dunkle (Zweifel an Gottes Führung, Schuld, Hilfsbedürftigkeit) findet seinen musikalischen Ausdruck in Klage und Bitte (vgl. die Liedersammlung der Psalmen).

  5. Es genügt nicht, das Evangelium, die Frohe Botschaft, nur weiterzusagen, sie drängt darauf, auch weitergesungen zu werden, denn erst im Singen kann sie ihre volle Tiefe entfalten. Im Singen zeigt die Kirche, dass sie glaubt, wem sie glaubt und wie sie glaubt. Die Musik ist Sprache des Evangeliums!

  6. Der eigentliche Ort des Gemeindegesangs ist der Gottesdienst. Gerade hier wird Gott verkündet, gegenwärtig, erfahren und geglaubt. Im Gottesdienst muss also gesungen und musiziert werden! So ist das Singen und Musizieren die wichtigste Form der aktiven Teilnahme der versammelten Gemeinde.

  7. Die Kirche hat von Anfang an im Gottesdienst gesungen und Gott gepriesen (Eph. 5, 19; Kol. 3, 16). Später fanden verschiedene Instrumente, vor allem die Orgel, Verwendung. So wurden das gesungene Wort und das Instrumentalspiel zentrale Elemente des Gottesdienstes, die die Tiefenschichten des Menschen ansprechen und somit über das rein verstandesmäßig Erfassbare hinausweisen.
  1. Die Bedeutung von Musik und Gesang im Gottesdienst:
    a) Kirche als Gemeinschaft der Erlösten erweist sich im Gesang.
    b) Das Singen dient der Auferbauung der Gemeinde.
    c) Es bewirkt und stärkt die Einheit der Gemeinde.
    d) Es bewirkt gegenseitige Stärkung und Vertiefung des Glaubens.
    e) Es ist idealerweise vom Geist Gottes gewirkt (Eph. 5, 19; Kol. 3, 16).
    f) Es ist ein Vorgeschmack auf die himmlische Liturgie.

  2. Alle musikalischen Dienste sind Aufgabe der Gemeinde! Deshalb gibt es verschiedene Dienste: Instrumentalisten (Organisten, PC, Band,...)
    und Sänger (Chor, Vorsänger, Schola). Es ist nun wichtig, dass diese Dienste immer als Teil der Gemeinde und mit der Gemeinde ausgeübt werden:

    • Die Orgel als „typisches“ Kirchen-Instrument gibt es erst seit dem

      9. Jhdt.; vorher wurde in der Regel ohne Instrumentalbegleitung gesungen. Auch wenn die Orgel keinen grundsätzlichen Exklusivanspruch im Gottesdienst besitzt, gehört sie in unserem Kulturkreis einfach dazu. Die Aufgabe des Organisten ist zum einen der Dienst am Gesang und mit der Gemeinde. Daneben musiziert der Organist aber auch für die Gemeinde (Instrumentalmusik: zum Einzug, als Vorspiel zu Gesängen, als Zwischenspiel, zum Auszug, usw.).

    • Genau dieselbe Aufgabenstellung trifft auf gleichwertige Ensembles wie z.B. Posaunenchor, Band oder Mischgruppen zu!

    • Der Chor ist keine „Elitetruppe“, die über der Gemeinde steht, sondern ein Teil der Gemeinde. Der Chor hat eine doppelte liturgische Aufgabe: Das Singen mit der Gemeinde, er ist „Animator“ für die Gemeinde. Hinzu kommt das Singen für die Gemeinde, eine Form also, die die Möglichkeiten der Gemeinde überschreitet. Es ist für ein überzeugendes Wirken zudem wichtig, dass die Mitglieder grundsätzlich hinter dem stehen, was gesungen wird.

    • Eine Mittelstellung zwischen einzelnen Vorsängern und dem Chor nimmt die Schola ein. Hierbei handelt es sich um eine kleinere Sängergruppe. Die Stärken einer Schola liegen in ihrer größeren Beweglichkeit und Flexibilität gegenüber einem Chor. So kann eine Schola ein Teil eines größeren Chors sein oder ein eigenständiges Singteam, um z.B. die Gemeinde im Singen von unbekannten Liedern zu unterstützen.

    • Der Dienst des Kantors ist älter als die anderen musikalischen Dienste. Der Kantorendienst dürfte bereits in den ersten christlichen Gemeinden existiert haben. Dabeifungierte der Kantor als der, der für den Gesang im Gottesdienst zuständig ist. Der Kantor ist heute zum eigentlich Zuständigen für die Kirchenmusik geworden. Er ist ein Kirchenmusiker im umfassenden Sinn. So heißt es bereits in einer mittelalterlichen Beschreibung: „… dass der Kantor … als guter Ermahner im Lager des Herrn die Schlafenden aufweckt, die Faulen anstachelt, die Entfesselten zurück hält, den weniger Kundigen Grenzen setzt und wie eine Trompete Gottes je nach Situation einmal leise, einmal laut besonnen sich müht, dass alle zugleich in Einklang stehen.“ Die Aufgaben des Kantors lassen sich in drei Bereiche ordnen:
      a) Vorsingen:
      Der Kantor singt alleine; hierzu zählt v.a. der Antwortpsalm.
      b) Anstimmen:
      Der Kantor stimmt den Gemeindegesang an und unterstützt diesen (falls kein Organist da ist) oder er stimmt verschiedene Rufe (z.B. Kyrie oder zu den Fürbitten) an.
      c) dialogisches/responsoriales Singen mit der Gemeinde:
      Der Kantor singt im Wechsel mit der Gemeinde.

  1. Die Musik im Gottesdienst dient in erster Linie der Ehre Gottes und der Auferbauung der Gemeinde. Diesen Zielen ist alles unterzuordnen. Alle, die in der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes tätig sind, müssen sich bewusst sein, dass es nicht darum geht, sich mit dem eigenen musikalischen Können in den Mittelpunkt zu stellen, sondern einen Dienst für Gott und die Gemeinde zu verrichten. Gleichwohl verdient die beste aller Botschaften die beste Qualität ihrer (musikalischen) Verkündigung. Zudem darf sich der Dank an Gott für die Talente in der Gemeinde und die hohe musikalische Qualität mit „Herzen, Mund und Händen“ freudig äußern. Kirchenmusik, Qualität und dankbarer Applaus schließen sich also nicht aus, solange der dienende Charakter gewahrt bleibt.

  2. Musik ist ein Teil der Liturgie und des Gottesdienstes. Deshalb darf sie sich nicht verselbständigen. Die angemessene Verwendung von Musik trägt dazu bei, ob ein Gottesdienst gelingt oder aber an den Gläubigen vorbeigeht. Daher muss bei der musikalischen Gestaltung die Struktur der Liturgie berücksichtigt werden. Liturgische Sensibilität ist hierbei gefragt sowie das „Zusammenspiel“ aller im Gottesdienst Mitwirkenden.