Bleibt dran – es lohnt sich!

Steinheim, 03.05.20, Jubilate
Reihe II: Johannes 15,1-8

Pfarrerin Eva-Maria Neumeister

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Jubilate Deo, jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich! Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke. (Psalm 66,1-3)
Jubilate! So, liebe Gemeinde, lautet seit der Reformation der lateinische Name des 3. Sonntag nach Ostern, den wir heute feiern – abgeleitet eben von Psalm 66. Und es ist nicht von ungefähr, dass dieser Sonntag mitten in die Frühlingszeit fällt, in die Zeit, in der alles wächst, grünt und blüht. In der wir – trotz allem – sprechen können: Herr, wie wunderbar sind deine Werke!
Ja, jubilate, jauchzet, lobsinget! Auch wenn es uns im Moment nicht so danach ist, wenn wir merken, dass all das, was wir vor Corona für selbstverständlich genommen haben, nun nicht mehr selbstverständlich ist: Gemeinschaft, Gottesdienste, Arbeit, Schule …
Doch: Jubilate bleibt – nach wie vor. Es ist der Lobpreis dem Schöpfer gegenüber, der Jubel über die Auferstehung Jesu von den Toten und die Hoffnung auf eine neue Schöpfung, die uns einst erwartet.
In unserm heutigen Predigttext aus Johannes 15,1-8, liebe Gemeinde, geht es auch um eine Schöpfung, um eine ganz besondere Schöpfung. Jesus selbst spricht davon. Zu seinen Jüngern sagt er dazu folgendes:


1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner.
2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Soweit die Worte Jesu. Intensiv sind sie, offen und durchaus sehr deutlich. Gesprochen in den sogenannten Abschiedsreden. Jesus äußert sie ganz privat, im engsten Jüngerkreis. Wohl wissend, was auf ihn zukommt. Kurz zuvor hatte er zum letzten Mal mit seinen Jüngern das Passamahl gefeiert, hatte Brot und Wein mit ihnen geteilt. Judas, der Verräter, und Petrus, der Lügner, waren enttarnt, der Tod am Kreuz in greifbarer Nähe. Die Jünger würden danach in ein tiefes Loch der Trauer fallen, das wusste Jesus. Gerade deshalb will er sie vorbereiten. Möchte auch für die Zeit Vorsorge treffen, in der er nicht mehr bei ihnen sein wird. Will ihnen Mut machen, möchte sie trösten. Und er will sie vor allen Dingen sensibilisieren auf ihrem Weg des Glaubens als seine Jünger.
„Bleibt dran, was auch kommt“, ruft er ihnen zu, „haltet euch an mich!“
Sechs „Ich-bin-Worte“ hatte er ihnen schon mit auf den Weg gegeben, (ich bin das Brot des Lebens; das Licht der Welt; die Tür; der gute Hirte; die Auferstehung und das Leben; der Weg, die Wahrheit und das Leben), nun kommt hier seine siebte und letzte Selbstaussage: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun (Vers 5).

Liebe Gemeinde, wie keinem anderen gelingt es Jesus, seine Hörer in ganz alltägliche Sachverhalte mit hineinzunehmen, ihnen komplizierte Tatsachen durch Beispiele aus dem Leben nahezubringen.
Wer weiß, vielleicht hatten die Jünger ja noch den Geschmack von Brot und Wein des Passamahls auf der Zunge, als Jesus nun diese Worte hier sagt: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner.


Da konnten die Jünger ihn förmlich vor sich sehen, den Winzer im Weinberg mit seinen Reben. Konnten sich die harte Arbeit des Weingärtners vorstellen, die damit verbunden ist. Ist doch so eine Weinrebe eine durchaus anspruchsvolle Kulturpflanze, die einer sehr sorgfältigen Pflege bedarf. So werden schon im Winter die Reben geschnitten, um das Fruchtholz zu fördern. Damit der Weinstock nun auch optimal mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden kann, muss der Boden immer wieder gelockert werden. Mit dabei ist selbstverständlich immer auch ein aufmerksamer Blick auf eventuelle Schädlinge, die bekämpft werden müssen. Im Sommer werden dann nicht nur die Fruchtzweige zurück – und ausgeschnitten, der Rebstock von überflüssigen Blättern befreit, um die Lichtzufuhr für die Trauben zu optimieren, sondern vor allem werden störende unfruchtbare Triebe komplett entfernt, um so die besten Voraussetzungen für eine gute Frucht zu schaffen.
Ganz klar: Der Weingärtner kommt um eine ständige Hege und Pflege seiner erlesenen Reben nicht herum, damals wie heute. Aber bei aller Arbeit nimmt er die ganze Mühe gerne auf sich, ist seine Freude doch riesengroß, wenn er schließlich herrliche Trauben ernten darf.
All das sehen die Jünger vielleicht vor sich, als Jesus zu ihnen sagt:
Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner.
Mein Vater. Gott, der Schöpfer selbst, ist es, der sich um euch kümmert. Der darauf achtet, dass ihr genügend Licht bekommt, um viel Frucht zu bringen. Er versorgt euch mit Nährstoffen, mit seinem Wort und seinen Geboten, um euer Leben und Wachsen zu stärken. Denn ihr seid ihm zu kostbar, als dass er euch einfach so dem Unkraut, der Lichtlosigkeit, den störenden Trieben und Schädlingen überlässt.
Allerdings, fährt Jesus fort: Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Ganz klar: Wenn Gott euch egal ist oder ihr nur etwas von ihm wissen wollt, wenn es euch gerade passt, so seid ihr Reben, störende Triebe, die keine Früchte bringen. Ihr werdet daher komplett entfernt, ins Feuer geworfen und verbrannt - eine logische Konsequenz, auch wenn ihr das jetzt nicht gerne hört. Dagegen: Wenn ihr wirklich mit Gott rechnet und ihr eine echte Lebensverbindung zu mir, dem Weinstock habt, dann seid ihr eine Rebe, die Frucht bringt. Manchmal jedoch gibt es auch bei euch, die ihr an mir bleibt, wie bei den fruchtbringenden Reben, ein Zurück – und Ausschneiden, (kein komplettes Entfernen oder Verbrennen!), um gutes Wachstum fördern zu können. Eine Reinigung, die unangenehm ist und alles andere als wohltuend. Wer möchte schon zurückgeschnitten werden? Als meine Jünger werdet ihr auch nicht immer Erfreuliches erfahren, müsst Dinge ertragen, die nicht einfach sind. Doch wenn ihr in mir bleibt und ich in euch, dann bringt ihr viel Frucht. Nicht, dass euch dabei immer alles nur so zufliegt, dass es euch immer gut gehen wird, dass ihr keine Probleme mehr haben werdet, nein! All das werde ich euch nicht versprechen, aber:

Mit mir habt ihr den wahren, den echten Weinstock an eurer Seite, der euch mit dem versorgt, was ihr braucht, denn:
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Ohne mich könnt ihr nichts tun, aber mit mir bekommt ihr das Leben, das sich wirklich lohnt. Das möchte ich euch mit auf den Weg geben. Mit auf den Weg, auf welchem ihr oft erst im Nachhinein merkt: Aus dem reinigenden Ausschneiden oder auch aus dem Schmerzlichen, dem, was Kummer und Sorge macht, ist dennoch Frucht, ja - Gnade und Segen entstanden. Und wer weiß, vielleicht könnt ihr später bei allem tatsächlich sagen: Es war gut, dass ich dieses oder jenes erlebt habe, dass ich gereinigt wurde. So konnte ich gefestigt, barmherziger und dankbarer daraus hervorgehen. Etwas Stärkeres ist entstanden. Etwas, womit ich nie gerechnet hätte. Es hat mich wachsen und reifen lassen. Und das ist dann auch eine Frucht, eine kostbare Frucht des Glaubens, des Dranbleibens.
Denn eins ist sicher: Wenn ihr in mir bleibt und ich in euch, dann habt ihr in allen Lebenslagen mich, das Brot des Lebens, das Licht der Welt, die Tür zu einer neuen Schöpfung, den guten Hirten, die Auferstehung und das Leben, den Weg, die Wahrheit und eben jetzt den wahren Weinstock an eurer Seite. (Den echten, wirklichen Weinstock wie es im griechischen Urtext heißt).
Daher: Bleibt dran! Bleibt dran im Lesen meiner Worte und im Gebet: sei es im stillen Kämmerlein, spontan oder geplant.

Zuhause oder unterwegs in der wunderbaren Schöpfung. Tankt Kraft aus meinen Worten und dem Reden mit meinem Vater und mir. (Zum Beispiel jetzt in dieser Coronazeit oder wenn es euch nicht so gut geht). Und das ist meine Zusage: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Sicher, so werdet ihr bestimmt sagen, ich habe doch für dieses oder jenes von ganzem Herzen gebetet und es ist mir nicht widerfahren! Hier sage ich noch einmal: Bleibt dennoch dran, denn Tatsache ist:
Gott beantwortet Gebete auf drei Wege:
1. Er sagt JA und gibt dir, was du möchtest.
2. Er sagt NEIN und gibt dir etwas Besseres und
3. Er sagt WARTE, und er gibt dir das Beste zu seiner eigenen Zeit.
Bei allem wünsche ich euch nicht nur Geduld, viel Kraft beim Tragen des Unangenehmen und Schmerzlichen, des Zurückgeschnitten-Werdens und der manchmal notwendigen Reinigung, sondern bei allem wünsche ich euch die Gewissheit: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun, aber mit mir habt ihr das echte, wirkliche Leben - was auch kommt! Mein Vater und ich sind für euch da und sorgen für euch. Das ist ein Versprechen, denn ihr seid für uns einfach zu kostbar, als dass wir es nicht tun würden.
Jubilate, Amen!
Dazu: Psalm 66, kommt jetzt nicht im Gesangbuch, aber in der Bibel!
Lieder:Bei dir, Jesu, will ich bleiben, EG 406
Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben, EG 619

Ermutigung:
Jeden Tag
  denkt Gott an uns und segnet uns.
  .   Psalm 115,12

Jede Stunde
  schaut Gott nach uns und gibt uns Kraft
  .   2. Thessalonicher 3,3

Jede Minute
  kümmert sich Gott um uns und sorgt für uns
  .   1. Petrus 5,7

Jede Sekunde
  liebt er uns.
  .   Jeremia 31,3

1 Kommentar

  1. Frieder Früholz sagt:

    Liebe Frau Neumeister,
    leider habe ich Ihre Predigt erst jetzt gelesen und mir die entsprechende Zeit dazu genommen. Aber besser jetzt als nie.

    Ganz herzlichen Dank für diese tolle und aufmunternde Predigt. Diese lässt uns doch mit Zuversicht und Hoffnung in die Zukunft blicken, gerade auch in der aktuellen Coronazeit und auch darüber hinaus.

    Wie Sie in Ihrer Predigt ganz klar zum Ausdruck bringen, ist, so denke ich, bei jedem von uns die Beziehung zu Gott nicht immer nur von Erfolgen und einem kontinuierlichen annähern geprägt. Gerade auch jetzt in Zeiten der Coronakrise wird mir dies noch deutlicher bewusst als sonst.

    Die fehlenden Gottesdienste, das Fehlen von vielen persönlichen Kontakten innerhalb der Kirchengemeinde, insbesondere auch im Gottesdienst und auch in anderen Bereichen wie Freizeit und Beruf, lässt ein Stück weit doch die Welt auf dem Kopf stehen. Man fürchtet von Gott wegzutreiben, oder hier bildlich gesprochen im Weinberg zu vertrocknen. Die alltäglichen Nachrichten, Einschränkungen und die Auswirkungen der Coronapandemie in alle Lebensbereiche überlagert fast alles und hat meinen Alltag fest im Griff.

    Wie Sie geschrieben haben, müssen wir die Krisen in unserem Leben und die aktuelle Coronakrise gerade im Besonderen als zum Teil schmerzhafte Reinigungen sehen, in der Hoffnung, nein, in der Gewissheit mit Jesus danach um so mehr Frucht in Gottes Weinberg zu bringen.

    Ihr Frieder Früholz

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